A Travellerspoint blog

In einem Land vor unserer Zeit

Titicacasee und Salar de Uyuni

sunny 9 °C

Hallo alle, wir leben noch! Nach den tollen Erlebnissen, ueber die Yasmine beim letzten Mal berichtete, haben wir noch einen Gang hochgeschaltet und uns flugs einen neuen Stempel fuer den Pass geholt: den bolivianischen.

Mit dem Nachtbus ging es vorher von Cusco nach Puno (noch in Peru) am Tititicacasee. Wie geraedert standen wir so im Morgengrauen an dessen Ufer und buchten eine Tour zu den Islas Flotantes. Das Volk der Uro lebt dort (angeblich noch wirklich) auf schwimmenden Inseln aus Schilf. Doch nicht nur der mehr oder weniger feste Boden besteht aus diesem Material, auch die Haeuser, Boote, Haushaltsgegenstaende... Sogar essen kann man's, was wir auch prompt ausprobiert haben. Schmeckt wie hollaendische Gurke oder eben nichts.

Gleich ging es weiter ueber die Grenze nach Bolivien. In Copacabana nahmen wir fuer eine Nacht Quartier, um gleich am naechsten Tag das Schiff um 8:30 zur Isla del Sol besteigen zu koennen. Und das hat sich gelohnt. Die Isla del Sol ist eine Insel im Titicacasee, die atemberaubend schoen ist und deren helle, schroffe Felswaende und flaschengruenklares Wasser in den Buchten an griechische Mittelmeerinseln erinnern. Zusaetzlich stehen ein paar Incaruinen drauf rum. An einem Tag sind wir von der Nord- bis zur Suedseite gewandert, mit dem letzten Boot wieder an die Copacabana zurueckgekehrt, nur um in den naechsten Bus nach La Paz zu steigen. Das sollten an die 3 Stunden sein und die Sonne ging schon unter, sodass wir gerade eingeschlafen waren, als es ploetzlich hiess wir sollten aussteigen. Mitten in der Walachei. Alle. Die Rucksaecke durften wir aber nicht mitnehmen. Total verpeilt sahen wir uns um und realisierten, dass wir an einem breiten Fluss standen und es so lief, dass Passagiere und Fahrzeuge auf getrennten Faehren uebergesetzt werden. Aha. Das passiert also, wenn der Staat kein Geld hat ein Bruecke zu bauen. Jedenfalls erreichten wir La Paz wohlbehalten und mit vollstaendigem Gepaeck.

Ein bisschen mulmig wurde uns allen waehrend der Taxifahrt vom Busbahnhof zum Hostel zumute. Es war nachts und La Paz eine Millionenstadt, aber was sich da an Muellbergen und zwielichtigen Gestalten in den Strassen tuermte und tummelte liess alte Erinnerungen an Guatemala City, Tegucigalpa und Konsorten hochkommen. Da, wo die Menschen einfach verschwinden.. Naja, wieder mal alles halb so wild, tagsueber schaut´s dann auf keinen Fall huebscher aber doch ziemlich sicher drein. Trotzdem wollen wir keine Zeit verlieren, sodass wir nach etwas Restschlaf im Hostel sofort ein Ticket nach Uyuni buchen.

Damit verbringen wir die kommende Nacht im Bus, in den Wachminuten bekommt man noch mit, wie man durchgeschuettelt wird als saesse man auf einem Kamel. Spaeter dann die Erklaerung: fast alle Strassen hier sind nicht geteert und haben zum Teil doch recht grosse Schlagloecher. Oder -abgruende. Deswegen kommt man in der Regenzeit auch (besser) nicht vom Fleck. Die Sonne geht jedenfalls gerade auf als die Endhaltestelle erreicht zu sein scheint. Vor Kaelte und Muedigkeit zitternd holen wir unser Gepaeck und machen uns daran, eine Tour durch die Salzwueste und zu den verschiedenfarbenen Lagunen zu buchen. Der erste Veranstalter ueberzeugt preislich und macht keinen allzu unserioesen Eindruck. Wir fragen noch ein paar Mal nach, ob es auch genug zu essen gaebe und da dies bestaetigt wird buchen wir die 3-Tages-Tour. Um 10 Uhr morgens geht es los mit dem Toyota Jeep und noch zwei netten Kanadiern, Lin und Adam. Unser Fahrer hingegen schweigt vor sich hin, ermahnt uns, die Tueren nicht zuzuschlagen und als wir uns nach dem ersten Stopp beim Eisenbahnfriedhof etwas verspaeten haelt er uns eine Predigt. So wird es auch die folgenden Tage weitergehen. Wenn wir nicht schnell genug zurueck sind wir gehupt oder gleich ein Stueck vorgefahren. Am Ende hatte er uns ganz gut abgerichtet. Doch es sollte zu unserem Besten sein.

Nachdem wir also ein bisschen auf alten Dampfloks herumgeklettert waren ging es zur sagenumwobenen Salzwueste. Die Bilder die wir davon kannten zeigten entweder kilometerweite trockene Ebene oder kilometerweite vom Wasser reflektierende Ebene. Naja, als wir ankamen herrschte sowas wie Tauwetter und ein paar Pfuetzen wechselten sich mit einigen trockenen Streifen ab. Immer noch umwerfend. Blendend weiss strahlt uns der Salar entgegen, scheinbar endlos setzt er sich fort und nur in der Entfernung erkennen wir noch die dunklen Berge die wie auf den Horizont gegossen erscheinen. Sofort machen wir uns daran, moeglichst lustige Bilder zu machen. Ausserdem haben wir einen neuen Platz auf der Liste der beschissensten Berufe der Welt: Salz schippen im Salar. Da koennte Sisyphus sich glatt gluecklich schaetzen.

Unser "Hostel" (nennen wir's mal so) lag in einer Siedlung mitten in der Wueste. So richtig mit einer Hauptstrasse und das war's. Das Adjektiv spartanisch bezeichnet die baren Waende, das Zimmerchen mit den Betten und die Verschlaege fuer sanitaere Anlagen wohl am besten. Ausserdem war's saukalt, sodass wir vorzeitig bibbernd um den Tisch mit dem Abendessen sassen. Nach bolivianischer Sitte gibt's naemlich zuerst ne Gemuesesuppe, zum aufwaermen. Danach haben wir uns etwas mit Ron del Abuelo warm gehalten den die Kanadier dabei hatten.

Am naechsten Tag ging's schon frueh morgens los. Die Einzelheiten will ich euch ersparen, jedenfalls haben wir ganz viele unglaublich tolle bunte Lagunen in Gruen, Tuerkis und Rot gesehen, die von 5000dern mit schneebedeckten Gipfel umrahmt wurden und in einer Mondlandschaft verschiedenster Sand- und Ockertoene standen. Dazu wehte ein konstant eiskalter Wind, sodass wir immer schnell wieder ins Auto sprangen. Eine Ausnahme bildete die Laguna colorada, durch deren tomatensuppenrote Gewaesser Scharen von Flamingos staksten, die wir Hobbyfotografen unbedingt einfangen mussten. Abends durften wir ausserdem in einem thermalen Becken entspannen (jetzt wissen wir auch, dass das Wasser in sowas nicht unbedingt so rotzgelb sein muss wie in Aguas Calientes) und uns Geysire aus der Naehe ansehen. Erst beim Essen dann der Faux-pas: unsere Agency hatte fuer 6 Personen irgendwie nur 500 Gramm Spaghetti eingeplant. Ein bisschen wenig. Die Truppe war kurz vorm Meutern. Neidvoll schauten wir auf den Nachbartisch und deren Reste. Man koennte.. Letztendlich mussten die eigenen Schokoladenvorraete angegangen werden. Und das, waehrend wir um ein mit getrockneten Pflanzenteilen befeuertes Oefchen hockten, den Moment hinauszoegernd, an dem wir ins kalte Bett gehen muessten. An diesem Abend gab es Flor de Caña. Davon animiert trauten sich auch einige von uns hinaus in die sternenklare Nacht, um das einem Planetarium wuerdige Funkeln der abertausend Himmelskoerper anzuschauen. So klar hab ich die Milchstrasse noch nie gesehen.

Unser Guide hat sich bewaehrt. Anstatt wie alle anderen Gruppe um 4 am aufstehen zu muessen, haben wir das Programm des 3. Tages bereits abgearbeitet und er bringt uns zu weniger besuchten Attraktionen wie die Copa del Mundo und La Ciudad Perdida, allesamt Formationen von roetlichen Felsen in wunderhuebscher Landschaft. Nach einem idyllischen Mittagessen an nem Teich mit Flamingos folgte die endlos lange Rueckfahrt nach Uyuni. Da in diesem Kaff nichts geht haben wir uns sofort ein Ticket fuer den Nachtbus nach Tupiza besorgt und hatten Glueck: Panoramasitze! Das sind die oben, ganz vorn. War teilweise vielleicht doch nicht so toll, da man oefter den Eindruck hatte, die Strasse (=Schotterpiste) wuerde aufhoeren, die Bruecke sei weggespuelt worden oder der Abgrund jetzt doch etwas zu nah. Naja, nach vielen Stopps um irgendwas zu reparieren sind wir jedenfalls mitten in der Nacht angekommen und durften uns im Hostal Tupiza ueber ein warmes Zimmer und bequeme Betten freuen.

Tupiza ist ein ruhiges Staedtchen nicht weit von der Grenze zu Argentinien. Butch Cassidy und Sundance Kid veruebten hier in der Gegend ihren letzten Raubzug. Und tatsaechlich koennte die Gegend mit den dunkelroten Felsschluchten und Canyons nicht weniger wie der Wilde Westen aussehen. Wir sind mal wieder Ausgeritten, um uns das aus der Naehe anzusehen. War ganz huebsch und ich werde nochmal wiederkommen. Fuer nen Wochenausflug.

Abends ging's dann weiter nach Sucre, wo nach vielen Tagen der Verwilderung uns die Zivilisation mit warmen Duschen, Cafés und gestrichenen Hausfassaden empfing.

Posted by PollyPanam 15:18 Archived in Bolivia

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