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Buenos Aires

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Am Morgen um 5:45 noch im engen Metallbett eines klammen Zimmers erwacht, das Taxi in Gran Turismo Manier die Haenge von La Paz hochgejagt und ein Flugzeug bestiegen. Wenige Stunden spaeter dann der krasse Gegensatz Buenos Aires. So wie ganz La Paz aussah schauen hier nur die paar Armenviertel aus. Es gibt weitaus mehr Privatfahrzeuge als Taxis, und allesamt sind neueren Baujahrs. Man kann nicht durch ein Rostloch im Boden des Taxis die Fahrbahn betrachten und es zeichnet sich nicht durch ein selbstgemaltes Schild als Personenbefoerderungsmittel aus, sondern traegt einheitliches Gelb-Schwarz und besitzt ein Taxameter. Es gibt Autobahnen. Und Ampeln. Sogar Zebrastreifen. Die Hunde streunen nicht wie Wolfsrudel durch die Strassen sondern werden von hauptberuflichen Sittern an der Leine in den Hundepark zum Scheissen gefuehrt. Die Strassen sind gepflastert oder asphaltiert. Und, das Unglaublichste, auf den Rasenflaechen und Gehwegen tuermen sich keine Muellberge!!

All diese Wunder der Zivilisation erblicken wir durch die Fensterscheibe unseres Taxis auf dem Weg zum Hostel-Inn in San Telmo. Das Hostel selbst ist grossartig. Gut, es kostet keine 2-4 Euro (Bolivien) sondern 7.50 pro Nacht, dafuer ist es ein wunderschoener sanierter Altbau mit ungewoehnlich freundlichen Menschen an der Rezeption die uns willkommen heissen (und nicht nur mit einem unverstaendlichen Grunzen gen Zimmer deuten), Dachterrasse und wolkenweichen Betten. Yasmine und ich haben nen 8er Dorm fuer uns allein. Mit Balkon. In den Duschen hat man zwei Griffe zur Waermeregelung und muss nicht auf das Prinzip "weniger Wasser = etwas weniger kalt" zurueckgreifen. Und man darf das Klopapier in die Schuessel werfen.

San Telmo erinnert ein wenig an Berlin Friedrichshain: alles voller cooler Cafes und Bars und Klamottenlaeden. Gleich am ersten Abend gehen wir in die Vollen, wie's der LP so ausdrueckt. Steak mit Pommes und nem Glas Rotwein, das alles in Portionen fuer Riesen. Also das Gegenteil von bolivianischen Portionen. Wir werden uebersatt. Und beschliessen, so lange wie moeglich hier zu bleiben. Jedenfalls so lange das Geld reicht. Nach den Monaten der eintoenigen Ernaehrung fuehlen wir uns angesichts der ungeheuren Auswahl an Speisen (allein was man alles vom Rind bestellen kann fuellt in den meisten Restaurants 2 Seiten der Karte) ueberfordert und gierig. Ich denke, Huehnchen & Eier, Bohnen & Reis, sowie Spaghetti mit roter Sosse werden wir sehr lange Zeit nicht mehr anruehren.

Die letzten beiden Tage haben wir damit verbracht, die einzelnen Stadtviertel abzuklappern. Unter anderem mussten wir uns neue Klamotten kaufen, da die treuen Reisebegleiter anfingen, in ausgebleichten Fetzen an uns herabzuhaengen und das war in dieser Stadt nicht vertretbar, wo der LP fuer jede Bar bereits raet, sich ordentlich aufzubrezeln. Bisher fuehlen wir uns in San Telmo am wohlsten, das entspricht am ehesten unserer Altersgruppe und dem Geldbeutel. Aber es war auch recht interessant, in einem Café in Recoleta schlecht geliftete Damengesichter zu betrachten (und dabei herrlichen Kuchen und den ersten richtigen Espresso seit Lima zu vertilgen) oder auf der Haupteinkaufsstrasse im Zentrum die Horden von Geschaeftsleuten in Hemd und Anzugshose anzustarren. Und sich mal nicht zu fuehlen wie ein rosa Elefant.

Nach mittlerweile 4 Tagen in Buenos Aires fuehlen wir uns immer noch so wohl, dass wir am liebsten gar nicht mehr wegmoechten. Haben auch ausgerechnet, dass weiterhin im Hostel wohnen (inkl Internet, warmen Wasser, Fruehstueck und einer Putzfrau, die morgens das Bett macht) weniger kostet als Miete in Koeln. Wir lassen's uns diese 2 letzten Wochen mal gutgehen. Hatten heute zum Fruehstueck um 14:30 erst nen Milchkaffee mit zwei Croissants (heisst hier: medialuna) und dann Steaksandwich. Danach sind wir ueber den Flohmarkt von San Telmo geschlendert, der riesenhaft das gesamte Viertel und etwas darueber hinaus umfasst. Jedenfalls konnten wir gar nicht alle Staende abklappern und das bunte Kunsthandwerk, die Fotographien und Antiquitaeten begutachten. War vielleicht besser so.

Gestern haben wir's uebrigens geschafft, mal auszugehen (steht auch unter den 5 Punkten im LP, die man in BA unbedingt gemacht haben sollte). Die porteños halten's naemlich wie die Spanier dabei und tauchen vor 2 Uhr nachts nicht auf. Mussten also nach dem ueppigen Abendessen ein Nickerchen bis 1 halten, um sich dann aufzuraffen durch die nasskalten Strassen zum Club zu laufen. Hat sich aber gelohnt. Dank unseres tollen Rezeptionisten standen wir auf der Gaesteliste, mussten keinen Eintritt zahlen und durften an einer Bar bestellen, wo es groessere Glaeser gab (das lohnt sich insofern, als Getraenke verhaeltnismaessig so teuer sind, dass man nicht mehr als 1 oder 2 guten Gewissens bestellen kann). Der Laden war super, Indiediskothek mit gelungener Musikauswahl, am Anfang sogar mit Gratiskonzert. Apropos, so viele Jungs, die an der Bar stehend in ihren Lederjacken schwitzen hab ich seit Cosmotopiazeiten nicht mehr gesehn. Grandios. Im Morgengrauen dann Heim ins Bettchen.

Desweiteren haben wir den Friedhof in Recoleta besucht, eine Totenstadt in der Mausoleumsarchitektur auf die Spitze getrieben wird. Einige haben sogar richtige Tempel. Ich moechte auch sowas und dann sollen mir Steak und Rippchen geopfert werden. Am besten schon zu Lebzeiten, damit ich auch was davon hab. Das kunterbunte La Boca hingegen hat mir nicht so gut gefallen, da es zur reinen Touristenattraktion verkommen ist und ein Hauch von klischeehaftem Wild West Freizeitpark durch sie Strassen weht. Das heisst, wenn man nicht 2 Blocks weiter guckt, wo die Altbauten verfallen, Kinder im Dreck auf der Strasse spielen und kleine Gangsterjungs Drogen verticken.

Posted by PollyPanam 11:04 Archived in Argentina

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