A Travellerspoint blog

Wilder Westen und tropischer Norden

Mendoza, Cordoba und Iguazu

sunny 24 °C

Obwohl es uns eigentlich viel zu gut ging und die Metropole noch laengst nicht ausgelebt erschien, haben wir uns gedacht, es sei notwendig etwas anderes als Buenos Aires in Argentinien zu sehen. Also sind wir erstmal nach San Antonio de Areco gefahren, 2 Stunden ausserhalb, das wegen seiner Gauchokultur bemerkenswert sein soll. Bemerkenswert war an dem Kaff allerdings nur die konsequente Abwesenheit von Menschen auf der Strasse und dass sie uns eine sehr neu und schick aussehende Bruecke als alt verkaufen wollten. Ansonsten liegt da der Hund begraben, gleich mehrfach.

Im Nachtbus (was fuer ein Luxus hier!!) nach Mendoza gegondelt. Hatten Captain Morgan an Bord und somit vergingen die 15 Stunden wie im Flug. Fuer die anderen Passagiere vielleicht nicht. Naja. Beim Aufschlagen (ja, so hat sich das angefuehlt) morgens im Hostel wurden wir gleich mit ganz vielen tollen Aktivitaeten ueberflutet. Eine blieb haengen: Paragliden? Warum nicht, gebucht! So ging es dann los mit zwei aelteren Herren in einem aelteren grauen Familienwagen. Hm, ob das klug war? Unterwegs wird umgestiegen in einen Truck und der befoerdert uns nen Berg hoch. Sehr hoch. Etwa 1700 Meter. Wir stehen am Abgrund. Ziemlich tief. Dann wird uns auch noch erzaehlt, man solle auf diesen zurennen und einfach darueber hinaus. Alles klar. Haben's dann doch gemacht und - hui! - auf einmal pendelte man in der Luft! Kein Boden mehr unter den Fuessen, nur ein bequemer Sitzanzug der mit den Luftstroemungen schwingt. Fantastisch! Sind dann auf die Sonne zugeflogen (nur ein bisschen) und die Kluften des Berghangs entlang, immer kurz vor einer Kollision zog mein Guide uns wieder etwas hoeher. Jetzt weiss ich, wie sich der Kondor etwas weiter weg wohl fuehlen musste. Die 20 Minuten gingen viel zu schnell vorbei, schon musste man landen. Auch das ging so einfach und problemlos, dass ich mich in Deutschland wohl nach weiteren Gelegenheiten umsehen muss.

Eine andere Aktivitaet, die wir mitgebucht hatten, war die Pizza Party bei uns im Hostel. Da gab's all you can eat Pizza und fuer ne halbe Stunde auch all you can drink Tequila. Der wurde einem zuletzt auch direkt in die Mundhoehle gekippt. Haben bei Punkt eins gut zugeschlagen und beim zweiten zurueckgehalten, da wir am naechsten Tag einen Ausflug in die Anden machen wollten (war auch toll, mit dem Fahrrad durch das Hochland bei Uspallata gefahren). Wobei, ins Bett gehen wollte ich nicht, da mit uns im Dorm ein EXTREM mitteilungsbeduerftiger Heilpraktiker um die 60 wohnte, der uns seine Ansichten erlaeutern musste. Man koennte ihn auch schlichtweg als verrueckt, unglaublich nervig und sozial inkompetent bezeichnen (ausserdem hat er nach Penner gestunken). Hier ein Ausschnitt: Krebs sei eine gute Sache; er habe gelacht, als ihm die Diagnose Lungenkrebs gestellt worden sei weil dies endlich eine Herausforderung gewesen sei; der Tumor und die Lymphknotenmetastase sei auch einfach aus ihm rausgefallen (-plop!); ueberhaupt solle man bei Krebs nichts tun sondern an seine Gesundheit glauben; er habe das Mittel gegen MS und wuerde es von Mendoza, Argentinien aus, vermarkten; man kann mittlerweile die Energie zwischen Amygdala und Hypothalamus messen (elektrische Impulse, oder was), das Wort "aber" duerfe man niemals benutzen. Es gaebe noch viel mehr, aber ab da hab ich die Stoepsel des mp3 Players in meine Ohren gerammt und die Lautstaerke hochgedreht. Arme Yasmine. Viel zu hoeflich.

Am naechsten Tag sind wir auch schon nach Cordoba geflohen. Diesmal ohne Captain Morgan und fatalerweise auch ohne Schlafsack im Handgepaeck. Es war mal wieder so kalt im Bus, dass man nicht schlafen konnte. 10 Stunden lang.. Beschissene Fahrt. Cordoba war ne ganz nette Stadt mit einigen kolonialen Gebaeuden und einer riesigen Fussgaengerzone. Wie in Europa. Einige Dinge haben sie aber nicht so raus, und das sind Banken/Geldautomaten und Effektiviaet bei grossen Geschaeften. Vor den Banken stauen sich nicht selten Menschenschlangen von ueber 100 Meter Laenge, Geldautomaten sind rar gesaet und haben oft kein Geld oder sind kaputt, und wenn man einen Elektronikartikel kaufen will wird muss man an 3 Stellen (Berater, Kasse, Ausgabe) anstehen. Hat 45 Minuten gedauert, bis ich mein neues Glaetteisen in der Hand hatte. Liegt unter anderem daran, dass an der Ausgabe jeder Karton aufgemacht und der Artikel getestet wird. Bis die Laptops erstmal hochgefahren waren..

Was uns in Cordoba sehr mitgenommen hat war das Museo de la Memoria. Zwischen 1975 und 1985 kam es zu 30.000 "Desaparecidos" (Verschwunden) in Argentinien. Zumeist waren es Studenten, die eventuell eine Gefahr fuer das herrschende Regime darstellen koennten und entfuehrt wurden, ohne dass die Angehoerigen den geringsten Anhaltspunkt ueber ihren Verbleib bekamen. Das Museo de la Memoria wurde in dem Gebaeude eingerichtet, wo einige Hunderte, nur 50 Meter von der Plaza Central entfernt, eingekerkert, gefoltert und ermordet wurden. Man kennt mittlerweile die Verantwortlichen, kennt die Verbrechen und Verliesse, nur viele der Verschwundenen bleiben es auch. Anhand von Fotoalben, Briefen, Gegenstaenden und Aussagen von Familie und Freunden sollte ein persoenlicher Bezug zu einigen aufgebaut werden.

Nun sind wir nach Iguazu gereist, ganz im Norden Argentiniens an der Grenze nach Brasilien. Schon irgendwie seltsam, man steigt in einer Wueste in einen Bus und kommt in den Tropen wieder an (21 Stunden spaeter..). Der Service war unter aller Sau, zum Mittagessen gab's nur ein duennes Sandwich, zum Abendessen um 18 Uhr Kaffeegebaeck ohne was zu Trinken, und dann wurden wir nochmals um 0:30 geweckt um ein richtiges Abendessen einzunehmen in einem Restaurant an der Autobahn. Und es wurden nur 2 Filme gezeigt!!
Jedenfalls ist es hier endlich wieder warm :D Haben sofort die Wasserfaelle von Iguazu besichtigt und zusammen bestimmt 300 Bilder davon gemacht. Echt beeindruckend! Dazu kamen noch viele tolle Schmetterlinge, Huehnergeier die wir seit Zentralamerika vermissen, bunte Voegel und tropischer Wald. Vielleicht sollten wir doch nochmal gen Norden, zurueck nach Zentralamerika, zurueck auf die Insel..?

Denn Morgen soll es (wieder etwa 22 Stunden) zu unserer letzten Station gehen: Rio de Janeiro. Wie schnell die Zeit vergangen ist. Und wieviel noch fehlt! Da koennte man gleich wieder los!

Posted by PollyPanam 14:59 Archived in Argentina

Email this entryFacebookStumbleUpon

Table of contents

Be the first to comment on this entry.

Comments on this blog entry are now closed to non-Travellerspoint members. You can still leave a comment if you are a member of Travellerspoint.

Enter your Travellerspoint login details below

( What's this? )

If you aren't a member of Travellerspoint yet, you can join for free.

Join Travellerspoint