A Travellerspoint blog

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Durch die Wueste

Oase von Huacachina, Peru.

sunny 36 °C

Muede und kurz vorm Verdursten gelangen wir mittags zu einer maerchenhaften Oase inmitten von hohen Sandduenen, ein Bild wie aus tausendundeiner Nacht. Oder einigen Romanen Karl Mays :)

Geschlafen haben wir die letzten 3 Tage kaum (9 Stunden von 72 bzw sogar 12 in 96) und so koennen wir die Schoenheit ringsherum nur bedingt wahrnehmen, der Fokus verschiebt sich auf die bequem aussehenden Doppelbettenn des Hostal Carol del Sur.. Erst nach Einbruch der Dunkelheit besteigen wir eine der steilen Duenen die das Dorf umrahmen und blicken auf das im Sternenlicht still daliegende naechtliche Panorama hinaus.

So atemberaubend die Landschaft auch ist, was macht man mitten in der Wueste 2 Tage lang? Man sucht sich Aktivitaeten. Die erste war eine Weintour, da die Gegend rund um Ica nicht nur Artischocken, Spargel, Tomaten und Baumwolle hervorbringt sondern eben auch Trauben, mit denen man allerhand anstellen kann. Mit dem Taxifahrer vom Vortag besuchen wir zunaechst die Tacama Produktion, die groesste in Peru, wo in gepflegtem Ambiente einer typischen Hacienda industrielle Mengen an trockenem Weisswein und Pisco (ein traditioneller Weinbrandt) hergestellt werden. Die zweite Station ist kleiner und familiaerer, unser freundlicher Guide erklaert uns, wie in den Betonbecken die Reben von betrunkenen Taenzern gestampft werden. Eine wahre Kuriositaet stellt unser letzter Stopp dar, denn in der Scheune mit den weingefuellten Keramikamphoren hat die Familie allerhand Krempel aus zwei Jahrhunderten gehortet, sodass man einer ausgestopften Robbe in ihr eines Auge blicken und sich ueber schlechte Reproduktionen bekannter Oelgemaelde lustig machen kann. Dazwischen haengt noch alles von Machete, Saebel, Degen bis Pistole, und ruhig schlummert ein alter Mann auf seinem Schaukelstuhl dahin. Nachdem wir uns vom trockenen Weisswein ueber irgendwelche Gemische und Pisco zu herrlich suessem roten Fruchtsaft durchprobiert haben kehren wir sehr froehlich gelaunt zu unserer Oase zurueck und buchen einen Reitausflug in die Duenen fuer den naechsten Tag. Haken: 7 Uhr anfangen.

Nach unserem Plan sollte das eigentlich kein Problem sein, schlafen wir doch meist bereits kurz nach Anbruch der Dunkelheit. Jedoch findet just an diesem Abend ein Reggaekonzert im Garten unseres Hostels statt, sodass wir es uns nicht nehmen lassen im Hintergrund mitzuwippen und ein wenig mit den Leuten zu reden. Wie ist es aber halb drei geworden..? Unausgschlafen und mehr oder weniger missgelaunt machten sich also am Morgen 2/3 unserer Reisegruppe auf zum Ausflug. Das andere Drittel war natuerlich von Anfang an in bester Stimmung, die noch gesteigert wurde, als sich die Reittiere als peruanische Pasopferde herausstellten. Das heisst, anstatt der unbequemen mittleren Gangart Trab taenzelten sie ein wenig merkwuerdig, aber ungemein bequem durch die Gegend. Kostet auch 4000 bis 15000 Dollar so'n ausgebildetes Viech.

Fuer den Abend gab's dann eine Unternehmung, auf die sich wieder alle gefreut hatten: Sandboarding. Mit etwa zehn anderen Backpackern wurde man in einen insektenhaften Sandbuggy gepackt, zu einer imaginaeren Startlinien gefahren und los krachte das Ding ueber den Wuestensand dass einem die Koernchen ein Gratispeeling verpassten. Nach einer wilden Fahrt waehrend welcher einem oefter etwas flau im Magen wurde erreichten wir die erste Station. Man bekam ein Brett und konnte sich aussuchen, die eigentlich kleine aber von oben doch recht steil aussehende Duene im Stehen, Sitzen oder Liegen herabzufahren. Sagen wir's mal so, wessen einzige Snowboardingerfahrung bisher darin bestand, vor 10 Jahren mal eine Eishalle (groesstenteils auf dem Hintern) runterzurutschen, sollte nicht erwarten, dass es bei Sandduenen irgendwie besser klappt. Aber die anderen schlugen sich ganz gut. Ich habe mich dafuer entschieden, im Liegen mit der groeßtmoeglichen Geschwindigkeit den Hang herunterzustuerzen. Ganz grosses Tennis. Vor allem bei den naechsten Duenen, wo es locker 100 Meter recht senkrecht in die Tiefe ging. Zum Abschluss durften wir auf einer Hoehe noch beobachten, wie die untergehende Sonne die Landschaft von Pink ueber Lila zu Blau verfaerbte. Ein guter Abschluss fuer unsere Beduinenzeit.

Posted by PollyPanam 15:28 Archived in Peru Comments (0)

Von Bergen und Kondoren

Arequipa & Colca Canyon

semi-overcast 19 °C

Im Nachtbus ging´s hoch die Berge nach Arequipa, der angeblich wegen ihres hellen Vulkansteins weissen Stadt. Trifft nur fuer ein paar Strassen der Innenstadt zu, aber der darumliegende alte Stadtkern macht mit seinen kolonialen Haeusern auch was her. Es ist frueh morgens, als wir aus dem Bus steigen und eine kuehle, klare Luft schlaegt uns entgegen, peruanische Panfloetenmusik schallt durch das Bahnhofsgebaeude und kleine Menschen in bunten Trachten schleppen schwere Pakete mit einem Stirnband. So stellt man sich Peru klischeehaft vor. Ein Hostel ist schnell gefunden, sodass wir bald Zeit haben, die Stadt zu erkunden. Auf der lebhaften Plaza de Armas im Zentrum tummeln sich Menschen und Tauben, waehrend Taxis wie im Karussell um sie herumkreisen und die Sonne scheint vom makellos blauen Himmel hinab auf die weissen Prachtbauten. Es ist schoen hier.

Zunaechst wollen wir das Monastero de Santa Catalina besuchen. Nur 40 Jahre nach der Gruendung Arequipas im 16. Jahrhundert erbaut, lebten bis 1970 in diesem Komplex die Nonnen vollkommen abgeschirmt von der Aussenwelt. Nach haeufigen Erdbeben wiederhergestellt oder erweitert, haben sich die Stile verschiedener Zeitalter in angeblich eindrucksvoller Weise erhalten. Noch ueber den verhaeltnismaessig hohen Eintrittspreis von etwa 10 Euro murrend, machen wir uns auf in die verwinkelten Gaesschen und Zimmerchen. Die Waende sind in leuchtendem Terracottarot oder Indigoblau gefaerbt, rote Geranien und andere Blueten verzieren kontrastreich das Ganze, sodass es in ein wahres Kinderparadies fuer uns Hobbyfotografen ausartet, jede Ecke und jede Gerade muss festgehalten werden. Von Aussen recht unscheinbar anmutend, tut sich nach und nach die riesige Parallelwelt dieser Zitadelle auf, vor der die ersten Kameraakkus kapitulieren. Fazit: lohnt sich.

Auch der folgende Tag wurde darauf verwendet, die Stadt naeher kennen zu lernen. Unsere Gruppe wurde dabei durch Jakob erweitert, der uns bereits in Huacachina ueber den Weg gelaufen war und uns nun galanterweise zum Abendessen bei sich ins Hostel einlud. Gekocht hat dann Yasmine ;) Es ergab sich, dass wir zum Canyon de Colca zu reisen wollten, um 2 Tage dort Wandern zu gehen und hoffentlich ein paar Kondore zu erspaehen. Um 2 Uhr nachts sassen wir dafuer am Busbahnhof und ahnten noch nicht, dass dies eine der furchtbarsten Fahrten unseres Lebens werden sollte. Und das nicht wegen der Abfahrtszeit. Nun ja, man merkte beim Einsteigen, dass es im Bus etwas kuehl war. Es haette einen auch stutzig machen koennen, dass alle Einheimischen die vorderen Sitzplaetze zur Gaenze belegt hatten, waehrend wir uns Richtung freie Rueckbank durchquetschten. Vielleicht, wenn man nicht nur 2 Stunden geschlafen haette, waere einem auch das offene Fenster ohne Griff aufgefallen. Aber stattdessen nahm jeder grosszuegig eine Bank in Beschlag und richtete sich fuer die 6 stuendige Reise ein. Zuerst war einem nur kalt. Dann fror man. Dann erfor man. Nachdem saemtliche Textilien, die sich in dem kleinen Wanderrucksack befanden, in irgendeiner Weise um den Koerper geschlungen, Plastiktueten um die Schuhe gewickelt und die exponierte Oberflaeche auf ein Minimum reduziert worden war, kam langsam der Gedanke auf, die Gardinen herabzuschneiden oder aus dem Bus zu springen und zu Fuss weiterzugehen. Man begann, sich selbst den (Russen-)Tod zu wuenschen um aus dieser Situation zu entkommen. Aber Alkohol war keiner vorhanden und Einschlafen ging auch nicht. Letztendlich war die Loesung so einfach wie banal: Koerperwaerme. Wie Pinguine rotteten wir uns zusammen, schlungen die Gliedmasse umeinander und schafften es so, diese fieseste aller Busfahrten zu ueberleben.

Als die ersten Sonnenstrahlen die eiskalten Wangen erwaermten und das grossartige Panorama der terrassierten Haenge des Canyons freilegten, erreichten wir auch schon den Zwischenstopp namens Cruz del Condor. Ein Aussichtspunkt, an dem man angeblich Kondore beobachten kann. Steif von Kaelte und Muedigkeit kauften wir uns hier unseren ersten Tee mit Kokablaettern. Aehnelte ein wenig der bei Kindern beliebten Brennesselsuppe, war aber warm und schmeckte (mit Zucker) eigentlich ganz gut. Dann nahm ich Position auf dem Felsen ueber dem Abghang. Zunaechst gab es nur ein paar Eidechsen und Falken zu beobachten. Dann tauchte ploetzlich ein sehr viel groesseres Paar Schwingen auf: ein Kondor!! Uebergluecklich waere ich der naechststehenden Person am liebsten um den Hals gefallen. Doch dabei sollte es nicht bleiben. Das Viech setzte sich nicht nur direkt auf den Felsen vor uns, es erschienen auch noch immer mehr seiner Art, bis zuletzt etwa 9 junge und alte Tiere ihre Kreise immer hoeher zogen, muehelos auf den warmen Stroemungen segelnd. Toll, das sehen zu koennen.

Bei all der Begeisterung fuer die majestaetischen Geier haben wir vergessen, dass es eigentlich nach Cabanaconde zum Wandern weitergehen sollte. Erst gegen 11 Uhr erwischten wir einen Bus zu dem gottverlassenen Dorf zwischen den Gipfeln der Anden. Und die geplante Tour bis zur Oase am Grund des Canyons sollte mindestens 7 Stunden in Anspruch nehmen. Knapp. Wir Maedels machten uns auf den Weg, gefuehrt von einem huebschen Strassenhund den wir alsbald Timmi tauften. Ein wirklich tolles Tier, schaetze, ein paar der Border Collie Gene sorgten dafuer, dass er munter vor und zurueck lief, um die Gruppe zusammenzuhalten. Derweil wanderten wir 3 Stunden eine steile Felswand hinab, danach 1 Stunde am Fluss entlang, bis wir nicht mehr genau wussten, ob es eigentlich noch der richtige Weg sei. Timmi hatten wir ungluecklicherweise im letzten Dorf verloren und hier zeigte sich kein Mensch weit und breit. Naja, hoch die Serpentinen, es muesste eigentlich richtig sein, dachte ich mir. Etwa 45 Minuten spaeter erklommen wir immer noch Serpentinen, die steil nach oben fuehrten. Und das gemeine dabei ist, dass man bei jeder Kurve hofft, das Ende endlich absehen zu koennen, nur um vor einem weiteren Anstieg zu stehen. Kacke. Irgendwann hoerten sie dann doch auf und man kam zum Stand einer Frau, voller Softgetraenke und Schokoriegel. Ich goennte mir eine Cola und spielte, auf das Wechselgeld sowie meine Reisegefaehrten wartend, Verstecken mit dem 3jaehrigen Sohn der Frau. Super Kind, lernte gerade die Buchfuehrung des Standes.

Wiedervereint zogen wir dann weiter. Obwohl es bereits dunkelte, beschlossen wir die 1 1/2 Stunden Abstieg zur Oase zu versuchen. Besser, als in einem der lehmgrauen Doerfer am Hang zu naechtigen. Da unten sollte es einen Pool geben, war uns gefluestert worden. Der Abstieg war nicht schoen. Anfangs noch froehliche Kinderlieder vor uns hinsingend, um die Moral zu heben, verkam das letzte Stueck zum verbissenen Vorwaertsmarschieren. Runter taten die Knie weh, hoch die Waden. Die Blasen sowieso. Wir hatten keine Lust mehr. Doch kurz bevor es stockdunkel wurde erreichten wir das Ziel. Wie ein wahres Paradies mutete uns die Oase an: weiches Gras unter den staubigen Schuhen, bunte Blumen, gruene Baeume und plaetschernde Pools. Waere da nur nicht diese miese Technomusik, die aus den Boxen der ersten Bungalowanlage schepperte. Wir zogen um. Zu etwas, das man woanders wohl Luxusferienresort nennen wuerde. Wunderschoen. Zunaechst irritierend: es gibt keinen Strom und wir uebernachten in einer (huebschen) Lehmhuette. Aber der freundliche Mitarbeiter holt uns Kerzen und Streichhoelzer, also kein Problem. Wir springen noch kurz in den Pool, bevor wir uns an die Tafel fuer's Abendessen setzen. Ein langer Tag, und bald liegen wir in unseren Betten.

Am naechsten Morgen schlafen wir aus. Eigentlich war uns geraten worden, spaetestens um 4am den 4stuendigen Aufstieg nach Cabanaconde zu beginnen, aber da es in der Nacht angefangen hat zu regnen lassen wir uns Zeit damit, nass bis auf die Knochen zu werden. Und geniessen ein ausgiebiges Pfannkuchenfruehstueck. Dabei faellt uns auf, dass der letzte Bus zurueck nach Arequipa um 14 Uhr faehrt, danach erst um 21 Uhr. Es ist 11 Uhr morgens, wir koennten es schaffen.. Nein, wir wollen uns nicht hetzen, wird beschlossen. OK. Knappe 2 1/2 Stunden spaeter stehen Jakob und ich auf der Plaza Central von Cabanaconde dem Bus gegenueber. Und sehen zu, wie er abfaehrt. Gelassen machen wir es uns vor dem einzigen Café gemuetlich, warten auf die anderen beiden. Als sie dazustossen und es kaelter wird, verlagern wir unseren Sitz nach drinnen, dort steht ein Computer an den ich meinen mp3 Player anschliessen und den gesamten Raum mit meiner Musik beschallen kann. Toll! Einen Koka-Tee nach dem anderen trinkend und uns mit Decken vor der Kaelte schuetzend verbringen wir dort einen im Nachhinein lustigen Nachmittag und fruehen Abend, bis unser Bus dann (uebrigens um 22 Uhr) losfaehrt. Als erstes kontrollieren wir, ob auch alle Fenster zu sind. Sind sie, gut. Allerdings stehen die Sitze noch dichter zusammen als bei Ryanair. Und gute 6 Stunden spaeter haben wir so die zweitbeschissenste Busfahrt unserer Reise verlebt.

Posted by PollyPanam 16:13 Archived in Peru Comments (0)

Aus den Höhen der Anden

sunny 24 °C

Der letzte Eintrag ist schon wieder einige Tage her, es gab viel zu erleben in letzter Zeit.

In Cuzco, trotz Nachtbusfahrt mit dubioser Gesellschaft, heil angekommen und im Hostel Frankenstein eingecheckt. Dieses wird von einem Franken gefuehrt und neben unzaehligen Deutschen, teilen sich Spinnen und Leguane die zu dem Namen passenden, leicht modrigen, Raeume.
Cuzco, bedeutet auf Quechua, der Sprache der Inka, Nabel der Welt, liegt auf 3400 m und bietet mit seinen verwinkelten Strassen, den unzaehligen Kirchen und den bunt angelegten Plaetzen einen herrlichen Anblick. Wen wundert es, dass wir dem Treiben der Stadt verfallen sind und ehe wir uns versahen einige Tage mehr als geplant hier verbracht haben.
Ein Highlight war sicherlich der Besuch Pisacs am Wahlsonntag, es schien als ob alle Menschen auf den Beinen waren und der Bus war dementsprechend auch ziemlich voll, brachte uns trotzdem unversehrt ans Ziel. Das bunte Treiben des Marktes verleitete uns wiedermal zum Souvenir shoppen, wir erklommen den nahegelegen Berg und erreischten pünktich zum Sonnenuntergang die Ruinen der Inka-Anlage auf dem Gipfel. Die Aussicht war fabelhaft, jedoch war der Sonnenuntergang auch ein kleiner Minuspunkt, da es in den Bergen ja bekannterweise schneller dunkel wird... Gluecklicherweise kreuzte eine andere Reisegruppe, die mit Guide reisten unseren Weg und wir kamen einigermassen unbeschadet, nur Jakobs Objektivfilter zerbrach bei einem leichten Sturz, wieder im Tal an.

Am Folgetag begann unser Weg zu einem Hoehepunkt unserer Reise, dem Machu Picchu. Wir hatten uns fuer die guenstigere Variante entschieden, einem Adventure Jungle Trek. Dieser glänzte nicht durch die Abgeschiedenheit des Inkatrails, sondern vor allem durch "abenteuerliche" Aktivitäten.

Am ersten Tag stuerzten wir uns mit einem Mountain Bike die Serpentinen eines 4100 m hohen Berges hinunter und strotzten beim Rafting der Stroemung des Flusses. Leider verpassten wir unsere Anlegestelle (diesmal hatte die stroemung gewonnen), bekamen das Boot erst einige Zeit und km spaeter, auf der Mitte des Flusses zum Stehen. In der anbrechenden Dunkelheit kaempften sich 10 durchnaesste, zitternde Personen flussaufwaerts und starteten einen letzten Versuch doch noch ans rettende Ufer zu gelangen. Ich sagte doch...Abenteuer :)

Die naechsten beiden Tage wurde gewandert, mal mehr, mal weniger anstrengend, wir bestaunten die Kulisse der Anden und bewegten uns ein kleines Stueck sogar auf einem von den Inkas angelegten Weg fort. Vanessa und Claudia erwogen, dank eines angenehmen deutschen Mitreisenden, die Luxemburger Staatsangehoerigkeit anzunehmen, es hat halt auch Vorteile keinen Landsleuten auf der Reise zu begegnen ;)

Endlich war der Fuss des Machu Picchu erreischt, morgens klingelte um 3:45 der Wecker, wir packten unsere Vorraete zusammen und verliessen das Hotel. Aussen warteten schon mindestens 50 Menschen auf den ersten Bus, der erst um 5:30 losfahren sollte. Verrueckt? An der Bruecke, die erst um 4:50 geoeffnet wurde bildeten ungefaehr 200 Leute eine Schlange um die 1600 Stufen hochzurennen und eins der begehrten Tickets fuehr den Wayna Picchu zu ergattern. Die ganze Situation kam uns aeusserst absurd vor, wir erwaegten zu boykottieren und bewaeltigten dann doch in Rekordzeit den schweisstreibenden Aufstieg. Claudia war die 5. und erste Frau auf dem Gipfel, uebrigens wurde ich gezwungen dies zu erwaehnen :)

Am Anfang verhuellte der Nebel die Bauten, doch nach und nach lichtete er sich und bot eine grandiose Aussicht ueber die Ruinen, die grünen Berge und die Lamas. Wir lauschten den Erlaeuterungen unseres Guides, staunten über die architektonischen Gewieftheiten und den unglaublichen Aufwand den die Inkas für gerade mal 300 Menschen betrieben haben mussten.
Als wir um 10 den naechsten Berg bezwangen, eine lustige Kletterei, schien die Sonne auf unsere Häupter und oben auf dem Gipfel erfreuten wir uns über das Postkartenmotiv. Allerdings weiss ich nicht wer zahlreicher vertreten war, die Traveller oder die Mücken.

Der Trip hatte also reibungslos geklappt, dachten wir, leider hatte unsere agency uns entgegen aller Versprechungen nicht auf den 18 Uhr Zug, sondern erst auf den 21.30 Uhr Zug gebucht. Das hiess also zweimal mitten in der Nacht am Bahnhof rumlaufen. Grossartig, wir freuten uns ungemein. Trotzdem beschlossen wir das beste aus der Situation zu machen und legten uns erstmal knapp drei Stunden ins Thermalbad. Irgendwie ueberlebten wir auch die ruckelige Zugfahrt und kamen um 2 Uhr nachts wieder im Hostel an, total erschöpft fielen wir in unsere Betten. Es war ein langer, unvergesslicher Tag.

P.S. Das "To-Do: Meerschweinchenessen" ist mittlerweile auch abgehackt... Also ich mag Pferdesteak lieber :)

Posted by yasmine769 19:13 Archived in Peru Comments (0)

In einem Land vor unserer Zeit

Titicacasee und Salar de Uyuni

sunny 9 °C

Hallo alle, wir leben noch! Nach den tollen Erlebnissen, ueber die Yasmine beim letzten Mal berichtete, haben wir noch einen Gang hochgeschaltet und uns flugs einen neuen Stempel fuer den Pass geholt: den bolivianischen.

Mit dem Nachtbus ging es vorher von Cusco nach Puno (noch in Peru) am Tititicacasee. Wie geraedert standen wir so im Morgengrauen an dessen Ufer und buchten eine Tour zu den Islas Flotantes. Das Volk der Uro lebt dort (angeblich noch wirklich) auf schwimmenden Inseln aus Schilf. Doch nicht nur der mehr oder weniger feste Boden besteht aus diesem Material, auch die Haeuser, Boote, Haushaltsgegenstaende... Sogar essen kann man's, was wir auch prompt ausprobiert haben. Schmeckt wie hollaendische Gurke oder eben nichts.

Gleich ging es weiter ueber die Grenze nach Bolivien. In Copacabana nahmen wir fuer eine Nacht Quartier, um gleich am naechsten Tag das Schiff um 8:30 zur Isla del Sol besteigen zu koennen. Und das hat sich gelohnt. Die Isla del Sol ist eine Insel im Titicacasee, die atemberaubend schoen ist und deren helle, schroffe Felswaende und flaschengruenklares Wasser in den Buchten an griechische Mittelmeerinseln erinnern. Zusaetzlich stehen ein paar Incaruinen drauf rum. An einem Tag sind wir von der Nord- bis zur Suedseite gewandert, mit dem letzten Boot wieder an die Copacabana zurueckgekehrt, nur um in den naechsten Bus nach La Paz zu steigen. Das sollten an die 3 Stunden sein und die Sonne ging schon unter, sodass wir gerade eingeschlafen waren, als es ploetzlich hiess wir sollten aussteigen. Mitten in der Walachei. Alle. Die Rucksaecke durften wir aber nicht mitnehmen. Total verpeilt sahen wir uns um und realisierten, dass wir an einem breiten Fluss standen und es so lief, dass Passagiere und Fahrzeuge auf getrennten Faehren uebergesetzt werden. Aha. Das passiert also, wenn der Staat kein Geld hat ein Bruecke zu bauen. Jedenfalls erreichten wir La Paz wohlbehalten und mit vollstaendigem Gepaeck.

Ein bisschen mulmig wurde uns allen waehrend der Taxifahrt vom Busbahnhof zum Hostel zumute. Es war nachts und La Paz eine Millionenstadt, aber was sich da an Muellbergen und zwielichtigen Gestalten in den Strassen tuermte und tummelte liess alte Erinnerungen an Guatemala City, Tegucigalpa und Konsorten hochkommen. Da, wo die Menschen einfach verschwinden.. Naja, wieder mal alles halb so wild, tagsueber schaut´s dann auf keinen Fall huebscher aber doch ziemlich sicher drein. Trotzdem wollen wir keine Zeit verlieren, sodass wir nach etwas Restschlaf im Hostel sofort ein Ticket nach Uyuni buchen.

Damit verbringen wir die kommende Nacht im Bus, in den Wachminuten bekommt man noch mit, wie man durchgeschuettelt wird als saesse man auf einem Kamel. Spaeter dann die Erklaerung: fast alle Strassen hier sind nicht geteert und haben zum Teil doch recht grosse Schlagloecher. Oder -abgruende. Deswegen kommt man in der Regenzeit auch (besser) nicht vom Fleck. Die Sonne geht jedenfalls gerade auf als die Endhaltestelle erreicht zu sein scheint. Vor Kaelte und Muedigkeit zitternd holen wir unser Gepaeck und machen uns daran, eine Tour durch die Salzwueste und zu den verschiedenfarbenen Lagunen zu buchen. Der erste Veranstalter ueberzeugt preislich und macht keinen allzu unserioesen Eindruck. Wir fragen noch ein paar Mal nach, ob es auch genug zu essen gaebe und da dies bestaetigt wird buchen wir die 3-Tages-Tour. Um 10 Uhr morgens geht es los mit dem Toyota Jeep und noch zwei netten Kanadiern, Lin und Adam. Unser Fahrer hingegen schweigt vor sich hin, ermahnt uns, die Tueren nicht zuzuschlagen und als wir uns nach dem ersten Stopp beim Eisenbahnfriedhof etwas verspaeten haelt er uns eine Predigt. So wird es auch die folgenden Tage weitergehen. Wenn wir nicht schnell genug zurueck sind wir gehupt oder gleich ein Stueck vorgefahren. Am Ende hatte er uns ganz gut abgerichtet. Doch es sollte zu unserem Besten sein.

Nachdem wir also ein bisschen auf alten Dampfloks herumgeklettert waren ging es zur sagenumwobenen Salzwueste. Die Bilder die wir davon kannten zeigten entweder kilometerweite trockene Ebene oder kilometerweite vom Wasser reflektierende Ebene. Naja, als wir ankamen herrschte sowas wie Tauwetter und ein paar Pfuetzen wechselten sich mit einigen trockenen Streifen ab. Immer noch umwerfend. Blendend weiss strahlt uns der Salar entgegen, scheinbar endlos setzt er sich fort und nur in der Entfernung erkennen wir noch die dunklen Berge die wie auf den Horizont gegossen erscheinen. Sofort machen wir uns daran, moeglichst lustige Bilder zu machen. Ausserdem haben wir einen neuen Platz auf der Liste der beschissensten Berufe der Welt: Salz schippen im Salar. Da koennte Sisyphus sich glatt gluecklich schaetzen.

Unser "Hostel" (nennen wir's mal so) lag in einer Siedlung mitten in der Wueste. So richtig mit einer Hauptstrasse und das war's. Das Adjektiv spartanisch bezeichnet die baren Waende, das Zimmerchen mit den Betten und die Verschlaege fuer sanitaere Anlagen wohl am besten. Ausserdem war's saukalt, sodass wir vorzeitig bibbernd um den Tisch mit dem Abendessen sassen. Nach bolivianischer Sitte gibt's naemlich zuerst ne Gemuesesuppe, zum aufwaermen. Danach haben wir uns etwas mit Ron del Abuelo warm gehalten den die Kanadier dabei hatten.

Am naechsten Tag ging's schon frueh morgens los. Die Einzelheiten will ich euch ersparen, jedenfalls haben wir ganz viele unglaublich tolle bunte Lagunen in Gruen, Tuerkis und Rot gesehen, die von 5000dern mit schneebedeckten Gipfel umrahmt wurden und in einer Mondlandschaft verschiedenster Sand- und Ockertoene standen. Dazu wehte ein konstant eiskalter Wind, sodass wir immer schnell wieder ins Auto sprangen. Eine Ausnahme bildete die Laguna colorada, durch deren tomatensuppenrote Gewaesser Scharen von Flamingos staksten, die wir Hobbyfotografen unbedingt einfangen mussten. Abends durften wir ausserdem in einem thermalen Becken entspannen (jetzt wissen wir auch, dass das Wasser in sowas nicht unbedingt so rotzgelb sein muss wie in Aguas Calientes) und uns Geysire aus der Naehe ansehen. Erst beim Essen dann der Faux-pas: unsere Agency hatte fuer 6 Personen irgendwie nur 500 Gramm Spaghetti eingeplant. Ein bisschen wenig. Die Truppe war kurz vorm Meutern. Neidvoll schauten wir auf den Nachbartisch und deren Reste. Man koennte.. Letztendlich mussten die eigenen Schokoladenvorraete angegangen werden. Und das, waehrend wir um ein mit getrockneten Pflanzenteilen befeuertes Oefchen hockten, den Moment hinauszoegernd, an dem wir ins kalte Bett gehen muessten. An diesem Abend gab es Flor de Caña. Davon animiert trauten sich auch einige von uns hinaus in die sternenklare Nacht, um das einem Planetarium wuerdige Funkeln der abertausend Himmelskoerper anzuschauen. So klar hab ich die Milchstrasse noch nie gesehen.

Unser Guide hat sich bewaehrt. Anstatt wie alle anderen Gruppe um 4 am aufstehen zu muessen, haben wir das Programm des 3. Tages bereits abgearbeitet und er bringt uns zu weniger besuchten Attraktionen wie die Copa del Mundo und La Ciudad Perdida, allesamt Formationen von roetlichen Felsen in wunderhuebscher Landschaft. Nach einem idyllischen Mittagessen an nem Teich mit Flamingos folgte die endlos lange Rueckfahrt nach Uyuni. Da in diesem Kaff nichts geht haben wir uns sofort ein Ticket fuer den Nachtbus nach Tupiza besorgt und hatten Glueck: Panoramasitze! Das sind die oben, ganz vorn. War teilweise vielleicht doch nicht so toll, da man oefter den Eindruck hatte, die Strasse (=Schotterpiste) wuerde aufhoeren, die Bruecke sei weggespuelt worden oder der Abgrund jetzt doch etwas zu nah. Naja, nach vielen Stopps um irgendwas zu reparieren sind wir jedenfalls mitten in der Nacht angekommen und durften uns im Hostal Tupiza ueber ein warmes Zimmer und bequeme Betten freuen.

Tupiza ist ein ruhiges Staedtchen nicht weit von der Grenze zu Argentinien. Butch Cassidy und Sundance Kid veruebten hier in der Gegend ihren letzten Raubzug. Und tatsaechlich koennte die Gegend mit den dunkelroten Felsschluchten und Canyons nicht weniger wie der Wilde Westen aussehen. Wir sind mal wieder Ausgeritten, um uns das aus der Naehe anzusehen. War ganz huebsch und ich werde nochmal wiederkommen. Fuer nen Wochenausflug.

Abends ging's dann weiter nach Sucre, wo nach vielen Tagen der Verwilderung uns die Zivilisation mit warmen Duschen, Cafés und gestrichenen Hausfassaden empfing.

Posted by PollyPanam 15:18 Archived in Bolivia Comments (0)

Von der zuckersuesse Hauptstadt zur Death Road

all seasons in one day 20 °C

Sucre - eigentlich nach einem General, dem 2. Praesidenten Boliviens benannt, praesentiert sich trotzdem mit strahlend weissen kolonialen Gebaeuden. Gut, nicht so weiss wie die in Arequipa, aber hey, vielleicht haben wir einfach schon zuviel gesehen.
Sucre hat Charme, ungefaehr 1000x mehr als LaPaz, nette Cafes liegen in schattigen Innenhoefen, vom Praesidentenpalast prangt der bolivianische Einheitsspruch " La Union es la fuerza" und ein bunter Markt erinnert doch an das eigentliche Bolivien. Hier kriegt man wiedermal alles zu kaufen...von der Zahnpasta bis zum Lamakopf. Wir trauten uns mittags dort zu essen, freuten uns, dass das Fleisch wirklich durchgebraten war (irgendwie essenziell wenn man sieht wie die Kuehlkette hier funktioniert...naemlich gar nicht) und ueberlebten wundersamerweise alle unbeschadet.

So rueckkblickend betrachtet ging es in Sucre tatsaechlich nur ums Essen, wen wunderts nach den vorherigen Tourtagen an denen wir eigentlich immer hungrig vom Tisch aufgestanden sind. So assen wir uns quer durch das Angebot, vom Grillteller im typischen Restaurant bis zur Dessertauswahl im franzoesichen Lokal. Ach und natuerlich die Chocolatiers nicht zu vergessen, die einem an jeder Strassenecke begegneten.

Weiter ging es nach La Paz, wiedermal ein Nachtbus in dem wir durchgeruettelt worden sind und wir waren uebergluecklich im Hostel anzukommen, in dem wir unglaublicherweise 2 ganze Naechte wirklich schlafen konnten!

LaPaz, eine Haeusermasse am Berg, zwischen dem unteren und oberen Teil der Stadt liegen sage und schreibe 1000 Hoehenmeter. Um die Schoenheit La Pazs zu sehen muss man das Licht ausschalten, echt, bei Nacht ist es gar nicht so unansehlich...also wenn man es von weiter weg betrachtet.
Allerdings hat sogar diese Stadt gute Seiten.
1. die Souvenirlaeden... bunte Stoffe, Taschen, Tuecher. Gitarren, Panfloeten, Hippiehosen. Alles zu unfassbaren Preisen. Es faellt einem schon schwer zu handeln wenn ein T shirt 3 Euro kostet
Apropos 2. die Preise: Schonmal in einem Spitzenrestaurant mit Nachtisch fuer 10 Euro gegessen
3. Der Hexenmarkt. Kokablaetter, die unterschiedlichsten Kraeuter, Glueckssteine,Lamaembryos und verknitterte alte Frauen die sich in Grimmsmaerchenbuechern durchaus wohl fuehlen wuerden.
4. Natuerlich die Death Road!!

Nachdem wir uns nach nur kurzem Hin und Her fuer einen Anbieter entschieden hatten ging es um am Folgetag bereits um halb 7 los. Ein Van brachte uns zum hoechsten Punkt, 4700m ueberm Meeresspiegel, wir wurden mit Schutzkleidung ausgestattet ( die im Gegensatz zu denen der anderen Gruppen auch noch gut aussah ;) ) und begannen, bei strahlendem Sonnenschein, dierasante Abfahrt ueber die asphaltierte Strasse. Ideale Bedingungen, koennte man meinen, war aber nicht so. Sobald wir naemlich den einfacheren Teil verlassen hatten, die Strasse, eng, schlammig und schotterig wurde, tauchten wir in eine dichte Wolkenschicht ein. Es regnete und man sah die naechste Kurve wenn, dann nur schemenhaft.
Nach 5 min, war alles nass, die Handschuhe trieften, die Schuhe gaben bei jedem Schritt ein schmatzendes Geraeusch von sich und die Brille beschlug (was die Sicht nochmal enorm verbesserte).
So fuhren wir, ohne besonders viel von dem Abgrund ( was wahrscheinlich gut war) und der Landschaft zu sehen die glitschige, schlammige Strasse hinab, erinnerten uns, dass vor der Stillegung im Durchschnitt 100 Personen pro Jahr hier ihr leben liessen und hatten...ob man es glaubt oder nicht, Riesenspass ;)

Zur Belohnung wurden wir bei der Ankunft im Tal von den Moskitos empfangen und aufgefressen ( Papp erenners de dech un deng Been a Spuenien?? villmols merci fir d Veranlaagung, sou eng merde ;) )

Alles in allem, wiedermal ein tolles Erlebnis...und wir waren doch etwas traurig, dass wir am naechsten Tag nicht nur Bolivien verlassen und somit doch dem abenteuerlichen Teil unserer Reise den Ruecken kehren wuerden, sondern auch noch die Haelfte unserer Reisegruppe verlieren wuerden, da Jakob noch etwas mehr Zeit dort verbringen wollte und Vanessa weiter nach Kolumbien flog.

Posted by yasmine769 11:56 Archived in Bolivia Comments (0)

Buenos Aires

semi-overcast 21 °C
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Am Morgen um 5:45 noch im engen Metallbett eines klammen Zimmers erwacht, das Taxi in Gran Turismo Manier die Haenge von La Paz hochgejagt und ein Flugzeug bestiegen. Wenige Stunden spaeter dann der krasse Gegensatz Buenos Aires. So wie ganz La Paz aussah schauen hier nur die paar Armenviertel aus. Es gibt weitaus mehr Privatfahrzeuge als Taxis, und allesamt sind neueren Baujahrs. Man kann nicht durch ein Rostloch im Boden des Taxis die Fahrbahn betrachten und es zeichnet sich nicht durch ein selbstgemaltes Schild als Personenbefoerderungsmittel aus, sondern traegt einheitliches Gelb-Schwarz und besitzt ein Taxameter. Es gibt Autobahnen. Und Ampeln. Sogar Zebrastreifen. Die Hunde streunen nicht wie Wolfsrudel durch die Strassen sondern werden von hauptberuflichen Sittern an der Leine in den Hundepark zum Scheissen gefuehrt. Die Strassen sind gepflastert oder asphaltiert. Und, das Unglaublichste, auf den Rasenflaechen und Gehwegen tuermen sich keine Muellberge!!

All diese Wunder der Zivilisation erblicken wir durch die Fensterscheibe unseres Taxis auf dem Weg zum Hostel-Inn in San Telmo. Das Hostel selbst ist grossartig. Gut, es kostet keine 2-4 Euro (Bolivien) sondern 7.50 pro Nacht, dafuer ist es ein wunderschoener sanierter Altbau mit ungewoehnlich freundlichen Menschen an der Rezeption die uns willkommen heissen (und nicht nur mit einem unverstaendlichen Grunzen gen Zimmer deuten), Dachterrasse und wolkenweichen Betten. Yasmine und ich haben nen 8er Dorm fuer uns allein. Mit Balkon. In den Duschen hat man zwei Griffe zur Waermeregelung und muss nicht auf das Prinzip "weniger Wasser = etwas weniger kalt" zurueckgreifen. Und man darf das Klopapier in die Schuessel werfen.

San Telmo erinnert ein wenig an Berlin Friedrichshain: alles voller cooler Cafes und Bars und Klamottenlaeden. Gleich am ersten Abend gehen wir in die Vollen, wie's der LP so ausdrueckt. Steak mit Pommes und nem Glas Rotwein, das alles in Portionen fuer Riesen. Also das Gegenteil von bolivianischen Portionen. Wir werden uebersatt. Und beschliessen, so lange wie moeglich hier zu bleiben. Jedenfalls so lange das Geld reicht. Nach den Monaten der eintoenigen Ernaehrung fuehlen wir uns angesichts der ungeheuren Auswahl an Speisen (allein was man alles vom Rind bestellen kann fuellt in den meisten Restaurants 2 Seiten der Karte) ueberfordert und gierig. Ich denke, Huehnchen & Eier, Bohnen & Reis, sowie Spaghetti mit roter Sosse werden wir sehr lange Zeit nicht mehr anruehren.

Die letzten beiden Tage haben wir damit verbracht, die einzelnen Stadtviertel abzuklappern. Unter anderem mussten wir uns neue Klamotten kaufen, da die treuen Reisebegleiter anfingen, in ausgebleichten Fetzen an uns herabzuhaengen und das war in dieser Stadt nicht vertretbar, wo der LP fuer jede Bar bereits raet, sich ordentlich aufzubrezeln. Bisher fuehlen wir uns in San Telmo am wohlsten, das entspricht am ehesten unserer Altersgruppe und dem Geldbeutel. Aber es war auch recht interessant, in einem Café in Recoleta schlecht geliftete Damengesichter zu betrachten (und dabei herrlichen Kuchen und den ersten richtigen Espresso seit Lima zu vertilgen) oder auf der Haupteinkaufsstrasse im Zentrum die Horden von Geschaeftsleuten in Hemd und Anzugshose anzustarren. Und sich mal nicht zu fuehlen wie ein rosa Elefant.

Nach mittlerweile 4 Tagen in Buenos Aires fuehlen wir uns immer noch so wohl, dass wir am liebsten gar nicht mehr wegmoechten. Haben auch ausgerechnet, dass weiterhin im Hostel wohnen (inkl Internet, warmen Wasser, Fruehstueck und einer Putzfrau, die morgens das Bett macht) weniger kostet als Miete in Koeln. Wir lassen's uns diese 2 letzten Wochen mal gutgehen. Hatten heute zum Fruehstueck um 14:30 erst nen Milchkaffee mit zwei Croissants (heisst hier: medialuna) und dann Steaksandwich. Danach sind wir ueber den Flohmarkt von San Telmo geschlendert, der riesenhaft das gesamte Viertel und etwas darueber hinaus umfasst. Jedenfalls konnten wir gar nicht alle Staende abklappern und das bunte Kunsthandwerk, die Fotographien und Antiquitaeten begutachten. War vielleicht besser so.

Gestern haben wir's uebrigens geschafft, mal auszugehen (steht auch unter den 5 Punkten im LP, die man in BA unbedingt gemacht haben sollte). Die porteños halten's naemlich wie die Spanier dabei und tauchen vor 2 Uhr nachts nicht auf. Mussten also nach dem ueppigen Abendessen ein Nickerchen bis 1 halten, um sich dann aufzuraffen durch die nasskalten Strassen zum Club zu laufen. Hat sich aber gelohnt. Dank unseres tollen Rezeptionisten standen wir auf der Gaesteliste, mussten keinen Eintritt zahlen und durften an einer Bar bestellen, wo es groessere Glaeser gab (das lohnt sich insofern, als Getraenke verhaeltnismaessig so teuer sind, dass man nicht mehr als 1 oder 2 guten Gewissens bestellen kann). Der Laden war super, Indiediskothek mit gelungener Musikauswahl, am Anfang sogar mit Gratiskonzert. Apropos, so viele Jungs, die an der Bar stehend in ihren Lederjacken schwitzen hab ich seit Cosmotopiazeiten nicht mehr gesehn. Grandios. Im Morgengrauen dann Heim ins Bettchen.

Desweiteren haben wir den Friedhof in Recoleta besucht, eine Totenstadt in der Mausoleumsarchitektur auf die Spitze getrieben wird. Einige haben sogar richtige Tempel. Ich moechte auch sowas und dann sollen mir Steak und Rippchen geopfert werden. Am besten schon zu Lebzeiten, damit ich auch was davon hab. Das kunterbunte La Boca hingegen hat mir nicht so gut gefallen, da es zur reinen Touristenattraktion verkommen ist und ein Hauch von klischeehaftem Wild West Freizeitpark durch sie Strassen weht. Das heisst, wenn man nicht 2 Blocks weiter guckt, wo die Altbauten verfallen, Kinder im Dreck auf der Strasse spielen und kleine Gangsterjungs Drogen verticken.

Posted by PollyPanam 11:04 Archived in Argentina Comments (0)

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